Deliktische Haftung nach der EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) : materielle und prozessuale Fragen der Haftung für Umweltschäden / von David Krebs (Geulen & Klinger Rechtsanwälte, Berlin), Konstantin Welker ; im Auftrag des Umweltbundesamtes ; Durchführung der Studie: Geulen & Klinger Rechtsanwälte ; Redaktion: Fachgebiet I 1.8 Nachhaltige Unternehmen und Verwaltungen, Sustainable Finance, Umweltkosten Christoph Töpfer
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Discovery
1914069730
URN
urn:nbn:de:gbv:3:2-1112044
DOI
ISBN
ISSN
Autorin / Autor
Körperschaft
Erschienen
Dessau-Roßlau : Umweltbundesamt, Dezember 2024
Umfang
1 Online-Ressource (44 Seiten, 3,35 MB)
Ausgabevermerk
Sprache
ger
Anmerkungen
Abschlussdatum: Oktober 2024
Quellenverzeichnis: Seite 42-44
Inhaltliche Zusammenfassung
Die neue Richtlinie (EU) 2024/1760 über die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit (Corporate Sustainability Due Diligence Directive - CSDDD) sieht neben anderen Durchsetzungsmechanismen ausdrücklich auch eine zivilrechtliche Haftung vor. Die Haftungsregelung ist jedoch eher eng gefasst. Dies könnte vor allem bei Umweltschäden dazu führen, dass das volle Potential der haftungsrechtlichen Steuerungs- und Kompensationsfunktion nicht ausgeschöpft werden kann. Das ergibt sich insbesondere daraus, dass die Verletzung von Sorgfaltspflichten nur insoweit haftungsbegründend wirken kann, wie diese dem Individualschutz dienen. Eine zusätzliche Verengung erfährt der Haftungstatbestand dadurch, dass ein nach "nationalem Recht geschütztes rechtliches Interesse" verletzt sein muss. Mit diesem doppelten Filter ist die Haftungsregelung im Ergebnis auf die Haftung für Schäden an privaten Individualrechtsgütern beschränkt; eine Haftung für reine Umweltschäden an Allgemeingütern (Klima, Luft, Biodiversität, etc.) sieht die Richtlinie dagegen nicht vor. Die Verletzung von Umweltschutzgütern kann damit haftungsrechtlich vorrangig über die umweltbezogene Menschenrechtsklausel geltend gemacht werden. Die Beschränkungen in der Richtlinie stehen einer überschießenden Umsetzung im nationalen Recht allerdings auch nicht entgegen. Eine weitere Verengung erfährt die Haftungsregelung im Bereich der Umwelthaftung zudem durch die Regelungstechnik zur Bestimmung der umweltbezogenen Sorgfaltspflicht. Der abschließende Katalog an Einzelverweisen auf konkrete Normen aus internationalen Umweltübereinkommen im Teil II des Anhangs führt notwendigerweise zu lückenhaften Ergebnissen. Im Interesse eines möglichst umfassenden und lückenlosen Umweltschutzes wäre die generalklauselartige Auffangregelung aus dem Parlamentsvorschlag sinnvoll gewesen. In prozessualer Hinsicht überrascht, dass materiell-rechtlich dem Grunde nach bestehende deliktische Ansprüche voraussichtlich vielfach nicht im Klagewege durchgesetzt werden können, wenn und soweit sie sich gegen Unternehmen aus Drittstaaten richten. Denn dies würde einen Gerichtsstand vor mitgliedstaatlichen Zivilgerichten voraussetzen. Ohne Gerichtsstand im Unionsgebiet läuft die Eingriffsnorm des Art. 29 Abs. 7 CSDDD nämlich leer. Eine besondere internationale Zuständigkeit mitgliedstaatlicher Zivilgerichte für Klagen gegen Drittstaatsunternehmen ist jedoch in der Richtlinie nicht vorgesehen. Die internationale Zuständigkeit richtet sich insoweit nicht nach der Brüssel Ia-VO, sondern nach dem autonomen mitgliedstaatlichen internationalen Zivilprozessrecht. Nach deutschem internationalen Zivilprozessrecht ist in den hier maßgeblichen Fällen regelmäßig kein Gerichtsstand für Klagen gegen Unternehmen aus Drittstaaten gegeben.
The new Corporate Sustainability Due Diligence Directive (EU) 2024/1760 (CSDDD) explicitly provides for civil liability in addition to other enforcement mechanisms. However, the liability regulation is rather narrowly defined. Therefore, the regulatory potential of liability law as means of not only compensation but also for incentivizing compliance with the due diligence obligations imposed by the directive cannot be fully utilized. This is because the breach of due diligence obligations only results in liability to the extent that the obligations' purpose is to protect an individual natural (or legal) person. The definition of liability is further narrowed by the fact that a "person’s legal interest protected under national law" must be violated. This twofold filter means that the liability regulation is ultimately limited to liability for damage to private individual rights; liability for pure environmental damage to public goods (climate, air, biodiversity etc.) is not provided for by the Directive. However, it is neither prohibited. Environmental liability is further narrowed by the regulatory technique that is employed to define environmental due diligence obligations. The exhaustive catalogue of individual references to specific provisions from international environmental treaties in Annex Part II inevitably leads to incomplete results. For a more comprehensive environmental protection, the European Parliament’s amendment proposal for a catch-all clause could have been taken up. Regarding procedural aspects, bringing legal actions against third country defendants based on tortious liability claims can be surprisingly challenging. Such claims generally require international jurisdiction of a civil court in one of the Member States. Otherwise, the overriding mandatory provision of Art. 29 para. 7 CSDDD would hardly ever be applied in the respective cases. However, neither does the Directive provide for special international jurisdiction of Member State’s civil courts nor is the law of international jurisdiction in civil court disputes against third country defendants harmonized in the Brussels Recast Regulation. Hence, international jurisdiction of civil courts regarding claims against third country defendants is governed by Member States’ autonomous international civil procedure. In the relevant cases, German civil courts generally cannot exercise international jurisdiction for tort claim actions against third country defendants.
Schriftenreihe
Texte ; 2024, 171 ppn:505871920