Bestandsaufnahme von raumlufttechnischen Anlagen und Lüftungsmaßnahmen in Gebäuden : Abschlussbericht / von Jennifer Niessner, Lukas Springsklee (Institut für Strömung in additiv gefertigten porösen Strukturen, Heilbronn), Joachim Allhoff, Franziska Drescher, Nicola Marsden (Heilbronner Institut für angewandte Marktforschung, Heilbronn) ; im Auftrag des Umweltbundesamtes ; Redaktion: Fachgebiet FG II 1.3 Innenraumhygiene, gesundheitsbezogene Umweltbelastungen - Anja Daniels
Download3.35 MB
Discovery
197156849X
URN
urn:nbn:de:gbv:3:2-123456789-1191612
DOI
ISBN
ISSN
Koordinaten
Skalierung
Beiträger
Körperschaft
Erschienen
Dessau-Roßlau : Umweltbundesamt, 2026
Umfang
1 Online-Ressource (160 Seiten, 3,35 MB) : Illustrationen, Diagramme
Ausgabevermerk
Sprache
ger
Anmerkungen
Abschlussdatum: Juni 2025
Quellenverzeichnis: Seite 100-102
Sprache der Zusammenfassung: Deutsch, Englisch
Inhaltliche Zusammenfassung
Im Auftrag des Umweltbundesamts wurde eine umfassende Studie zur Raumluftqualität und Lüftungssituation in öffentlichen Gebäuden durchgeführt. Die Studie umfasste eine Bestandsaufnahme bestehender Lüftungstechniken, eine Befragung von Raumnutzenden sowie einen Vergleich gesetzlicher Regelungen zur Innenraumluftqualität in Ländern, die klimatisch mit Deutschland vergleichbar sind. Die Analyse zeigte, dass rund 80 % der öffentlichen Gebäude in Deutschland keine zentrale oder dezentrale raumlufttechnische Anlage (RLT) besitzen und daher überwiegend manuell über Fenster gelüftet werden müssen. Besonders in Altbauten mangelt es an technischer Ausstattung zur Raumluftüberwachung. Ergänzend wurden 1.902 Personen zu ihrem Wissen rund um das Thema Raumluftqualität und Lüftung, ihrem Lüftungsverhalten und dem individuellen Stellenwert des Themenkomplexes befragt. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass die Luftqualität als gesundheitlich relevant eingeschätzt wird, aber in der Bevölkerung Wissenslücken bestehen und gesundes Lüftungsverhalten häufig nicht ausreichend umgesetzt wird. Auch die pandemiebedingten Verhaltensänderungen waren meist nicht nachhaltig. Bezüglich der Analyse gesetzlicher Regelungen und Vorgaben im europäischen Vergleich wurden insbesondere Belgien und Frankreich als Vorreiter identifiziert: Während Frankreich eine verpflichtende CO₂-Überwachung in Bildungseinrichtungen eingeführt hat, verfolgt Belgien ein stufenweises Zertifizierungsmodell zur Verbesserung der Raumluft in öffentlich zugänglichen Räumen. Aus den Studienergebnissen wurden konkrete Empfehlungen für Deutschland abgeleitet. Vorgeschlagen wird ein schrittweises Vorgehen mit drei zentralen Elementen: Erstens die Einführung eines verpflichtenden Echtzeit-Monitorings der Raumluftqualität, insbesondere von CO₂-Werten, zweitens eine standardisierte Risikoanalyse mit verpflichtenden Maßnahmenplänen bei Auffälligkeiten und drittens die Einführung eines Luftqualitätszertifikats, das öffentlich sichtbar angebracht wird. Ergänzt werden diese regulatorischen Maßnahmen durch gezielte Kommunikationsstrategien, die darauf abzielen, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und gesundes Lüftungsverhalten zu fördern. Hierzu zählen etwa alters- und lebensphasenbezogene Informationskampagnen, die Nutzung psychologischer Wirkmechanismen zur Etablierung internalisierten Lüftungsverhaltens sowie die Einbindung von Multiplikator*innen und der Einsatz von Verbreitungsstrategien in Bildungseinrichtungen, Kommunen oder Betrieben. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass für eine nachhaltige Verbesserung der Innenraumluftqualität in öffentlichen Gebäuden ein kombiniertes Vorgehen aus technischer Ausstattung, gesetzlicher Vorgaben und Maßnahmen zur Förderung alltagsnaher Verhaltensänderungen empfehlenswert ist.
A comprehensive study on indoor air quality and ventilation in public buildings was conducted on behalf of the German Federal Environment Agency. The study included an inventory of existing ventilation technologies, a survey of room users, and a comparison of legal regulations on indoor air quality in countries with a similar climate to Germany. The analysis showed that around 80 % of public buildings in Germany do not have a central or decentralized ventilation system and therefore rely primarily on manual window ventilation. Old buildings in particular often lack technical equipment for monitoring indoor air quality. In addition, 1,902 individuals were surveyed regarding their knowledge of indoor air quality and ventilation, their ventilation behavior, and the personal importance they attach to the topic. The findings show that while indoor air quality is perceived as relevant to health, there are considerable knowledge gaps and healthy ventilation behavior is often not adequately practiced. Behavioral changes prompted by the pandemic also tended to not be sustained over time. With regard to the analysis of legal regulations and requirements in a European comparison, Belgium and France in particular were identified as pioneers: While France has introduced mandatory CO₂ monitoring in educational institutions, Belgium is pursuing a step-by-step certification model to improve indoor air quality in publicly accessible spaces. Concrete recommendations for Germany were derived from the study results. A step-by-step approach with three central elements is proposed: First, the introduction of mandatory real-time monitoring of indoor air quality, especially CO₂ levels; second, a standardized risk analysis with mandatory action plans in case of abnormalities; and third, the introduction of an air quality certificate that is publicly displayed. These regulatory measures are supplemented by targeted communication strategies aimed at raising public awareness of the issue and promoting healthy ventilation behavior. These include age- and life-stage-specific information campaigns, the use of psychological levers such as social visibility and technical support (e.g., CO₂ traffic lights), and the involvement of multipliers in educational institutions, municipalities, and companies. Overall, the results suggest that a combined approach of technical infrastructure, legal frameworks, and measures to promote everyday behavioral changes is required for a sustainable improvement in indoor air quality in public buildings.
Schriftenreihe
Texte. Umweltbundesamt ; 2026, 81 ppn:505871920
REFOPLAN des Bundesministeriums Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz
REFOPLAN des Bundesministeriums Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz